Glossar:


Beckenboden  Der Beckenboden besteht aus drei Muskelschichten, die wie ein Trampolin zwischen Steißbein, Schambein sowie rechtem und linkem Sitzknochen gespannt sind. Der Beckenboden stützt alle Organe des kleinen Beckens und den gesamten Rumpf.  Wenn die Beckenbodenmuskeln entspannt sind, kann der Urin abfließen sowie die Darmentleerung stattfinden.
Beckenbodentraining Anspannungs- und Entspannungsübungen der Beckenbodenmuskulatur, die auch in Kombination mit Biofeedback angewendet werden. Bei der Kontinenzschulung wird es eingesetzt, um das entspannte Urinlassen zu unterstützen.
Biofeedback-Verfahren Biofeedback (Rückmeldung biologischer Signale) ist ein
Verfahren, bei dem körperliche Vorgänge, die eigentlich nicht
oder nur ungenau wahrgenommen werden, sichtbar oder hörbar
gemacht werden. Damit werden sie bewusst gemacht und
können verändert werden.
Biofeedback ist gewissermaßen eine technische Erweiterung
unserer Sinnesorgane.
Die Kinder können z.B. An- und Entspannung der
Beckenbodenmuskulatur am Computer sehen und so
beeinflussen.
Blasendruckmessung (synonym: invasive Urodynamik, Zystomanometrie)
Mit der Blasendruckmessung wird die Harnblasenfunktion mit einem Messkatheter untersucht. Man erhält Informationen darüber, wie sich die Harnblase bei der Speicherung und Entleerung verhält.
Diese Untersuchung wird eingesetzt, um besser zu erkennen, ob, warum und wie das Wasserlassen gestört ist (Blasendysfunktion). Bei Kindern mit Einnässen ist sie nur in wenigen Fällen erforderlich.
Blasendysfunktion,
Blasenfunktionsstörung,
Blasenkontrollstörung
Bei der Harninkontinenz unterscheidet man zwischen
körperlichen („organischen") Ursachen.                                                                                              Dazu gehören zum Beispiel Fehlbildungen der Harnwege oder Schädigungen, die von den Nerven ausgehen,   funktionellen Ursachen (die Arbeitsweise der Blase und ihr Zusammenspiel mit dem Gehirn ist beeinträchtigt). Organische Schädigungen liegen nicht vor
Wir unterscheiden zwischen verschiedenen Formen der funktionellen Harninkontinenz. Ein wichtiges Kriterium ist, ob Symptome wie Einnässen oder überfallsartiger Harndrang tagsüber auftreten. Wenn dies der Fall ist, spricht man von „Blaserndysfunktion". Der Begriff bedeutet, dass die Blase zwar normal aufgebaut ist, aber ihre Funktion nicht optimal ausübt.                                         Die häufigsten Formen nennt man:
     Überaktive Blase mit Inkontinenz (Dranginkontinenz)
     Miktionsaufschub
     Dyskoordinierte Miktion
Kinder, die die Kontinenzschulung besuchen, haben eine funktioneile Harninkontinenz.          Diese Kinder können lernen, ihre Ausscheidungsfunktion zu normalisieren.
Blasenentzündung (Zystitis)
Normalerweise sind sowohl die Harnwege als auch der ausgeschiedene Urin keimfrei. Wenn sich Bakterien in den Harnwegen befinden und eine Entzündung auslösen, nennt man das Harnwegsinfektion. Die Bakterien dringen von außen über die Harnröhre in die Blase vor. Sie stammen in der Regel aus dem Darm des Patienten. Da Mädchen und Frauen eine kürzere Harnröhre haben als Jungen und Männer, sind bei ihnen Blasenentzündungen häufiger. Bakterien vermehren sich schneller, wenn die Blase regelmäßig nicht vollständig entleert wird („Restharn").
Anzeichen für eine Blasenentzündung können sein: gesteigerter, teilweise schmerzhafter Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen, häufigeres Einnässen, Schmerzen im Unterbauch, Blut im Urin.                                                                                                            Die Symptome bei Kindern sind vielfältiger und weniger typisch als bei Erwachsenen.
Wichtig ist die Frage, ob Fieber vorliegt, denn dann muss man
davon ausgehen, dass auch die Nieren betroffen sind.
Es gibt auch den Fall, dass Bakterien in der Blase sind, ohne eine
Entzündung auszulösen. Dann ist keine Antibiotikatherapie
erforderlich.
Blasenschließmuskel (Sphinktervesicae)
Den Blasenschließmuskel kann man willentlich beeinflussen. Das heißt, dass er bewusst an- und entspannt werden kann. Bei gefüllter Blase ist der Schließmuskel angespannt und hält den Urin dadurch zurück. Beim Wasserlassen ist er entspannt und der Urin kann ungehindert fließen.
Blasenspiegelung
(Zystoskopie,
Urethrozystoskopie)
Untersuchung der Blase. Dabei wird mit einem Zystoskop, ein dünnes, schlauch- oder röhrenförmiges Instrument, das durch die Harnröhre eingeführt wird, die Blase von innen betrachtet. Die Untersuchung dient der Erkennung krankhafter Veränderungen von Blase und Harnröhre.
Blasentagebuch (Miktionsprotokoll)
(Miktionstagebuch)
Ein Buch, in dem Eltern und Kind über einen gewissen Zeitraum hinweg notieren, wann und wie häufig das Kind die Toilette aufsucht und in welchen Situationen es ungewollt Urin verliert. In diesem Buch werden auch die Trinkmenge sowie die Harnmenge aufgeschrieben. Das Miktionsprotokoll hilft dem behandelnden Arzt und ürotherapeuten bei der Diagnose einer Blasendysfunktion
Blasenmuskel, Blasenentleerungs-muskel (Detrusor
Muskulatur der Harnblase. Sie dehnt sich bei der Speicherung des Urins aus und zieht sich bei der Entleerung zusammen.
Dranginkontinenz Wenn es bei überaktiver Blase zum Einnässen kommt, nennt man das Dranginkontinenz. Es kommt zu plötzlichem starkem und nicht unterdrückbarem Harndrang mit ungewolltem Urinverlust. Die Kindergehen meistens mehr als sieben Mal am Tage zur Toilette. Sie benutzen Haltemanöver, um den Urin zurückzuhalten. Die entleerte Urinmenge ist meistens gering.
Dyskoordinierte Miktion
Normalerweise ist der Blasenschließmuskel beim
Urinlassen entspannt, so dass sich die Blase störungsfrei
entleeren kann. Bei der dyskoordinierten Miktion bleibt
der Schließmuskel während des Wasserlassens
angespannt.
Die Kinder pressen beim Wasserlassen, der
Blasenmuskel verdickt sich und die Blase wird oft nicht
komplett entleert.
Der Urinstrahl ist unterbrochen.
Diese Störung der Blasenentleerung tritt eher selten auf.
Frühere Bezeichnung: Detrusor-Sphinkter-
Dyskoordination
Elektromyografie des
Beckenbodens
(Beckenboden-EMG)
Messung der Aktivität der Beckenbodenmuskulatur und des Blasenschließmuskels über spezielle Elektroden. Bei Kindern werden Klebeelektroden verwendet, die in der Nähe des Schließmuskels platziert werden. Diese Messmethode kann auch als Biofeedback-Verfahren verwendet werden. Die Kindersehen am Computer, ob sie den Beckenboden an-oder entspannen und können das richtige Verhalten beim Wasserlassen trainieren.
Enuresis Siehe Harninkontinenz
Enuresis diurna
Veralteter Begriff für Einnässen am Tage
Diese Bezeichnung wird heute nicht mehr verwendet.  Man spricht heute von Harninkontinenz Die verschiedenen Formen werden unter Blasendysfunktion erklärt.

Enuresis nocturna
Nächtliches Einnässen nach dem 5. Geburtstag Es gibt zwei Formen der Enuresis nocturna: •    Monosymptomatische Enuresis nocturna •    Nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna
Haltemanöver
Versuch, den Harndrang zurückzuhalten, zum Beispiel bei der Dranginkontinenz oder dem Miktionsaufschub. Mädchen gehen meist in die Hocke und setzen sich auf die Ferse. Jungen halten sich den Penis zu. Die Kinder wirken unruhig, zappeln herum oder kneifen die Beine zusammen.
Harnblase
Die Harnblase besteht aus dem Blasenmuskel und sammelt Urin. Sie dehnt sich bei der Speicherung des Urins aus und zieht sich zusammen beim Wasserlassen. Ist die Harnblase gefüllt, so wird dies als Harndrang wahrgenommen. Der Schließmuskel am Ausgang der Blase hat die Aufgabe, den Urin während der Speicherung in der Blase zu halten und sich beim Wasserlassen zu öffnen
Harninkontinenz
Jeglicher unfreiwilliger Harnverlust. Von funktioneller Harninkontinenz spricht man, wenn eine organische oder neurogene Ursache der Inkontinenz fehlt. Die verschiedenen Formen sind unter Blasendysfunktion erklärt. Der Begriff Enuresis ist gleichbedeutend mit nächtlicher Harninkontinenz.
Harnleiter (Ureter)
Die beiden Harnleiter verbinden die Nieren mit der Harnblase, damit der in den Nieren gebildete Urin in die Harnblase abfließen kann.
Harnröhre (Urethra)
Durch die Harnröhre gelangt der Urin aus der Blase nach außen. Sie ist bei Mädchen kurz und bei Jungen lang.
Harnwegsinfektion
Siehe Blasenentzündung
Inkontinenz
Siehe Harninkontinenz
Medikamente
In der Behandlung der Harninkontinenz wird manchmal der Einsatz von Medikamenten in Betracht gezogen. Es gibt Medikamente, die den Blasenentleerungsmuskel dämpfen. Andere Medikamente vermindern die nächtliche Urinproduktion. Auch für die Behandlung von Begleitproblemen wie Blasenentzündung oder Verstopfung kann es manchmal sinnvoll sein, auf Medikamente zurückzugreifen. Grundsätzlich müssen immer die erwünschten und die unerwünschten Wirkungen der Medikamente abgewogen werden, bevor man sich für ihren Einsatz entscheidet. Generell sollte mit der Anwendung von Medikamenten bei funktioneller Harninkontinenz sehr zurückhaltend umgegangen werden.
Miktion Wissenschaftlicher Begriff für Wasserlassen.zieht sich der Blasenmuskel zusammen und gleichzeitig entspannt sich der Schließmuskel, so dass der Urin ungehindert hinaus fließen kann.
Miktionsaufschub
Das Wasserlassen wird hinausgezögert, obwohl Harndrang vorhanden ist. Bei starkem Harndrang setzen die Kinder Haltemanöver ein. Zum Miktionsaufschub kommt es meist in bestimmten Situationen, wie z.B. beim intensiven Spiel, Fernsehen, Computerspielen oder aus Abneigung, die Schultoiletten zu benutzen. Im Lauf der Zeit gewöhnen sich die Kinder daran, selten zur Toilette zu gehen, d.h. weniger als 4 x täglich. Auch Erwachsene sind betroffen: Risikogruppen sind z.B. Lastwagenfahrer oder Verkäuferinnen
Miktionsprotokoll (Miktionstagebuch) Siehe Blasentagebuch
MCU
(Miktionszystourethro-
graphie)
Untersuchungsverfahren
zur Darstellung der Harnröhre und Blase während des Wasserlassens -    zum Nachweis eines Rückflusses von Urin in den Harnleiter oder bis in das Nierenbecken („Reflux")
Monosymptomatische Enuresis nocturna
Das Kind nässt nur in der Nacht ein. Es gibt keine Anzeichen für eine Harninkontinenz oder andere Zeichen einer Blasendysfunktion am Tage. Es liegt eine vererbte Reifungsverzögerung vor, durch die nachts die Blasenentleerung nicht unterdrückt wird. In der Regel sind die betroffenen Kinder ausgesprochene Tiefschläfer.
Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
Entsteht meist durch ein Aufsteigen von Keimen aus der Harnblase über den Harnleiter und kann vom Nierenbecken auf das restliche Nierengewebe übergreifen. Typische Symptome sind Fieber und Flankenschmerzen. Siehe auch Blasenentzündung.
Nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna
Das Kind nässt in der Nacht ein. Zusätzlich gibt es auch am Tage Hinweise für eine Blasendysfunktion, zum Beispiel Einnässen oder plötzlichen Harndrang. Diese Blasendysfunktion kann auch Ursache für das nächtliche Einnässen sein. Hier wird zuerst die Tagproblematik behandelt.
Restharn
Urinmenge, die nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt. Kommt zum Beispiel bei der dyskoodinierten Miktion vor und kann zu wiederkehrenden Blasenentzündungen führen.
Sonographie (Ultraschall)
Anwendung von Ultraschall zur Untersuchung von inneren Organen. Bei der Blasendysfunktion achtet man unter anderem auf die Form der Blase, die Dicke des Blasenmuskels und auf Restharn, aber auch auf die Nieren und den Enddarm.
Sphinkter
Siehe Blasenschließmuskel
Uberaktive Blase
Siehe Dranginkontinenz
Ureter Siehe Harnleiter
Urethra Siehe Harnröhre
Urodynamik Verfahren zur Beurteilung der Blasenfunktion, siehe Blasendruckmessung und Uroflow
Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung) Urodynamisches Messverfahren, um die Stärke des Harnstrahls, die Urinmenge und die Entleerungszeit zu bestimmen. Beurteilt wird auch die Kurvenform. Wird beim Biofeedback auch zu therapeutischen Zwecken genutzt.
Urethrozystoskopie (Zystoskopie)
Siehe Blasenspiegelung
Zystomanometrie
Siehe Blasendruckmessung